Ehrung der Amphibienhelfer aus Moosham

 20.01.2006

Geschenke für Krötenfreunde (v .li.): Julia Kafka, Lilo und Werner Kafka, Patricia und Benjamin Hartwig, Wolfgang und Elke Hartwig mit Klaus Schröder.                                                                                                  Foto: ver

Ein Herz für Amphibien

Landesbund für Vogelschutz ehrt verdiente Mitglieder

Königsdorf/Moosham - Rund 9000 verliebte Kröten, Frösche und Molche haben sie seit 1999 über die Straße getragen und dadurch vor dem Tod durch Überfahren bewahrt. Für Ihr Engagement am Mooshamer Krötenzaun wurden die Familien Kafka aus Moosham und Hartwig aus Wolfsgrube bei Königsdorf nun im Gasthof Hofherr vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) feierlich geehrt.

Vor acht Jahren stellte der LBV an der Straße von Egling nach Moosham in Weihernähe erstmals einen Krötenzaun auf. „Ich kann mich an das erste Jahr gut erinnern", berichtet LBV-Kreisvorsitzender Klaus Schröder. „Ich traute meinen Augen nicht. Die Straße war übersäht mit überfahrenen Kröten." Den Zaun aufzustellen, sei schnell organisiert. Im Frühjahr aber über drei bis vier Wochen täglich mindestens einmal vorbeizuschauen und die Amphibien über die Straße zu tragen, das sei die entscheidende Arbeit.

Bereits 1999 fand Schröder in den beiden Familien - Familie Hartwig wohnte damals noch in Harmating - fleißige und unermüdliche Helfer. Sie hätten eine erstaunliche Perfektion in der Erkennung der Arten und Fähigkeit des Organisierens entwickelt. „Wir hatten die Kinder dabei, die sind näher am Boden", erklärte Lilo Kafka. „Man entwickelt einen ganz besonderen Gang", scherzte Elke Hartwig, Mutter des jüngsten Helfers Benjamin (8). Von 1999 bis 2005 haben sich die Bestande mehr als verdoppelt.

Lilo Kafka hielt alles genau in einer Statistik fest. Die Erdkröten vermehrten sich von anfangs 640 auf 1110 Exemplare, die Grasfrösche blieben stabil bei gut 70, die Molch-Population explodierte von zwei auf 339 Exemplare. Im Jahr 2004 waren es sogar 1470 Erdkröten und 824 Molche.

Vereinzelt entdeckten die Mütter und ihre Kinder bei ihren Rettungsaktionen auch seltene Amphibienarten wie den Seefrosch, Springfrosch oder Teichfrosch.     ver

schreibt am 09.10.2006:

Amphibienaktion in Moosham

Die Retter der Erdkröten

Seit sieben Jahren engagieren sich Vogelschützer wie Lilo Kafka für Lurche

Von Marianne Rösler

Egling • Als sie zum ersten Mal Fröschen, Kröten und Molchen über die Straße geholfen hat, zog sie sich noch Gummihandschuhe an. Jetzt aber hat Lilo Kafka keine Berührungsängste mehr. Seit 1999 engagiert sich die Tierfreundin aus Moosham aktiv im „Krötenmanagement" des Landesbundes für Vogelschutz Bad Tölz-Wolfratshausen.

Immer von März bis April geht Kafka Abend für Abend zusammen mit ihrer 14-jährigen Tochter Julia und anderen Lurchschützern aus Moosham den 250 Meter langen Amphibien-Zaun zwischen Egling und Moosham ab. In Ein-Liter-Eimern werden die Tiere eingesammelt und über die Straße getragen, wo sie noch vor sieben Jahren zu Hunderten überfahren worden waren. Das hat Klaus Schröder, Kreisvorsitzender des LBV und ebenfalls wohnhaft in Moosham, beobachtet und daraufhin die Schutzaktion ins Leben gerufen. Die Bilanz des Amphibien-Managements kann sich seither sehen lassen. Alleine im Jahr 2006 zählten Kafka und die anderen Helfer fast 1700 gerettete Tiere, über die Hälfte davon waren laut Kafkas Statistik Erdkröten. Außerdem bekamen knapp 300 Grasfrösche und rund 400 Molche Hilfe auf ihrem Weg zum Laichplatz.


Lilo Kafka
Foto: Pöstges/A.

Als „fast perfekte Erfolgsgeschichte" lobt Schröder die von Kafka organisierte Aktion, die nicht nur den Amphibien, sondern der ganzen Nahrungskette zugute komme: Auch Vögel wie der seltene Schwarzstorch, die Frösche und Kröten als Nahrung brauchen, profitierten von den jährlich steigenden Beständen der Tiere.

Denn überall, wo es keine Zäune wie den des LBV oder die des Bund Naturschutzes, gibt, seien die Bestände der Amphibien gefährdet, sagt Schröder. Im nächsten Jahr plant der LBV einen weiteren Schutzzaun in Eulenschwang aufzubauen; künftig will man aber mehr auf sich „selbstständig tragende Systeme" setzen. Langfristig will Schröder Teiche und Sumpfwiesen als Laichstättenanlegen lassen.

Bis dahin wird Lilo Kafka zusammen mit anderen Dorfbewohnern wohl weiterhin in der Laichzeit der Lurche bis zu vier Stunden pro Nacht mit dem Eimer unterwegs sein. Freiwillige sind bei der Aktion im Frühjahr willkommen. Wer mithelfen will, soll sich bei der LBV-Kreisgeschäftsstelle unter Tel.  08171/27303 melden.