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Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
-Verband für Arten- und Biotopschutz-
Kreisgruppe Bad Tölz - Wolfratshausen
LBV-Pilotprojekt
Spatenbräufilze
Eine gelungene Renaturierung
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| Rettung der Spatenbräufilze
Es begann alles ganz unspektakulär: 1994 erwähnte der damalige
Eglinger Bürgermeister und heutige Landrat Manfred Nagler in einem Gespräch mit dem
Landesbund für Vogelschutz (LBV), dass die Spatenbräufilze bei Moosham immer mehr austrocknen.
Nach einer ersten gemeinsamen Begehung nahm die LBV-Kreisgruppe begeistert die Idee einer Moor-Renaturierung auf und das Projekt Spatenbräufilze
nahm seinen Lauf.
• Der LBV wurde 1995 als Projektträger benannt.
• Der LBV stellte daraufhin erstmalig eine Biologin ein.
• Der LBV entwickelte ein Renaturierungskonzept zur Rettung des Moores.
Hauptziel war es, das degenerierte Hochmoor vor der totalen Austrocknung und Bewaldung zu bewahren und
den Komplexzusammenhang mit den Bachauenstreuwiesen entlang des Mooshamer Weiherbaches zu
verbessern. Unter Einbeziehung der Regierung von Oberbayern, der Unteren Naturschutzbehörde, der
Gemeinde Egling und der privaten Eigentümer wurden die Maßnahmen zur Rettung des landkreisweit
bedeutsamen Moorkomplexes mit seiner Ausstattung an hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten vereinbart.
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Ehrenamtlicher und
unentgeltlicher Einsatz
Viel Arbeit gab es in den zurückliegenden sieben Renaturierungsjahren auf dem langen Weg zum intakten
Hochmoor. Der Schlüssel zum erfolgreichen Abschluss dieses LBV-Großprojektes lag in der besonderen
Bereitschaft vieler LBV-Aktiver, Winter für Winter kräftig mit anzupacken.
Insgesamt 80 Personen haben bei ca. 30 Wochenend- einsätzen und vielen kleineren Aktionen knapp 5.000
Stunden Arbeit im Moor geleistet - ehrenamtlich und unentgeltlich.
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Praktische Maßnahmen:
viel Holz, viel Wasser
Zu den praktischen Maßnahmen gehörten drei Arbeitsschritte:
• das Auslichten der verbuschten Moorflächen,
• die Wiedervernässung und
• Mahd der angrenzenden Streuwiesen.
Mit dem Auslichten wurde im Winter 1995/96 begonnen. Insgesamt wurden mehr als 3,5 ha völlig
verbuschte Hochmoorflache von Fichten, Waldkiefern und Birken befreit. Diese hatten sich aufgrund der
früheren Trockenlegung zur Torfgewinnung langsam aber stetig in die ursprünglich weitgehend baumfreie
bzw. nur von Moorkiefern bewachsene Fläche ausgebreitet. Jetzt, nach diesen notwendigen Eingriffen, ist das Landschaftsbild völlig verändert und
dem alten Naturzustand wieder nahe gebracht. Die hochmoortypischen Pflanzen wie Torfmoos, Sonnentau und Moosbeere können sich wieder ausbreiten und
Schmetterlinge wie der in Bayern stark gefährdete Hochmoor-Gelbling können ohne höhere
Baumbarrieren von den blütenreichen Streuwiesen zu den Eiablageplätzen im Moor überwechseln.
Für die Wiedervernässung des Moores war es notwendig, die alten Entwässerungsgräben zu verschließen. 37 große Stauwehre aus Stammholz und Torf und weitere 34 kleinere
Bretterdämme sowie einige Torfdämme sorgen nun für den Rückhalt des niedergehenden Regenwassers. Intakte Moore sind natürliche Wasserspeicher und leisten einen wichtigen
Beitrag zum Hochwasserschutz. In diesem Fall mindert das renaturierte Spatenbräufilz Hochwassergefahren in
Ascholding.
Die Mahd der Streuwiesen wurde wieder aufgenommen und auf etliche neue, zuvor verbuschte Flachen ausgedehnt, so daß nun eine neue Mosaikstruktur fast das ganze Moor umschließt. Streuwiesen als vom Menschen geschaffene Lebensräume weisen eine ungewöhnlich große Artenvielfaltauf.
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Die alte Pracht kehrt zurück
Durch das Auslichten und die Rückvernässung der Hochmoorflächen haben sich bereits die
ersten Erfolge eingestellt.
• Die Flächen sind offener und nässer.
• An mehr als 20 Stellen steht das Wasser sichtbar bis zur Geländeoberkante.
• Torfmoose, aus denen langsam wieder Torf entsteht, bilden einen dichten grünen Teppich in den aufgestauten Wasserflächen
• Neben dem Hochmoor-Gelbling konnte mit dem Lungenenzian-Ameisenbläuling ein weiteres Kleinod nachgewiesen werden.
• Profitiert haben neben weiteren Schmetterlingsarten wie Mädesüß-Perlmuttfalter und
Baldrian-Scheckenfalter auch die Heuschrecken.
• Die unscheinbare Strauchbirke, eine Eiszeitreliktart, breitet sich wieder aus.
• Die Frösche haben sich an den neu geschaffenen Wasserstellen stark vermehrt.
• Mit großer Freude wurden wieder reichere Libellenbestände registriert; so bei der Großen Moosjungfer und der Gefleckten Smaragdlibelle.
• Der Baumpieper hat sich nach vielen Jahren der Abwesenheit mit mehreren Paaren wieder im Spatenbräufilz niedergelassen. Auch für die nur unweit entfernt brütenden Braunkehlchen wird dieses renaturierte Areal immer interessanter. |
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Bewertung
Die Renaturierung der Spatenbräufilze war unser erstes LBV-Großprojekt. Trotz der vielen
ehrenamtlichen und fachlichen Arbeit, die uns zuweilen stark beansprucht hat, hat uns die
Projektarbeit wirklich Spaß gemacht. Die Arbeit zeigte bald erste
Erfolge bei der Ausbreitung der hochmoorspezifischen Flora und Fauna.
Darüberhinaus wurde unser Bewußtsein für einen neuen Weg geschärft: Wir setzten der früheren
Moor-Entwässerung eine Moor-Renaturierung entgegen und die Gesellschaft gewinnt verlorene, intakte
Naturräume und natürliche Wasserspeicher zum Schutz gegen
Hochwasser zurück. Wir gingen diesen Weg in bester Kooperation mit den Eigentümern
und den Fachbehörden und es freut uns, dass dieses Projekt Pilot- und Mustercharakter für ganz
Oberbayern gefunden hat. Die LBV-Kreisgruppe hat für dieses Projekt,
unter erheblichen finanziellen Anstrengungen, Kosten in Höhe von ca.
75.000 Euro selbst getragen.
Nach sieben Renaturierungsjahren ist es jetzt im nächsten Wegabschnitt unumgänglich, über das
einzelne Filz hinaus den Blick der Vernetzung ganzer Moor-Komplexe zuzuwenden. Dafür trägt
der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aufgrund seiner flächenreichen, aber oft degenerierten
Moorausstattung eine große Verantwortung. Der LBV ist bereit, in konzeptioneller wie praktischerweise zur
systematischen Vernetzung intakter Moore beizutragen. |
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Dr. Klaus Schröder
1 .Vorsitzender
LBV-Kreisgruppe Bad Tölz -Wolfratshausen |
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